Alles öde!

Ein erfahrener Texter behält im Blick, was Menschen beim Lesen seiner Texte empfinden und welche Bilder sich in ihren Köpfen entwickeln. Daher schreibe ich anschaulich und setze Wörter ein, die beim Leser Bilder hervorrufen. Lebendige Texte, die mit aussagekräftigen Worten wirken.

Bildhaft formulieren und in Erinnerung bleiben

Starre, umständliche Satzkonstrukte mit öden und abstrakten Wörtern (<= hier trifft meine folgende Aussage zu) sind hohl und lassen den Leser kalt. Schreibe ich, dass ein guter Text vor dem geistigen Auge einen Kinofilm mit lebendigen Bildern auslösen soll, versteht man die Aussage wesentlich leichter. Oder saßen Sie nicht eben gedanklich in einem Kinosaal?

Bildhaft zu schreiben ist stilistisch angenehm und hat einen weiteren Vorteil: Gedankenbilder bleiben im Gedächtnis haften, der Text zeigt eine nachhaltige Wirkung und zieht den Leser in eine Richtung, mit der auf das Ziel des Textes (Response, Information, Unterhaltung etc.) hingearbeitet werden kann. Natürlich mit weiteren wirkungsvollen Wörtern, die sich mit passendem Jargon und im Zusammenhang an die Zielgruppe richten.

Ein einfaches, bekanntes Beispiel beweist den Unterschied zwischen bildhaften, starken und blassen, schwachen Wörtern:

Sigrun geht.

Ein gültiger Satz mit Subjekt (Sigrun) und Prädikat (geht). Lebendiger, bildhafter wäre:

Sigrun schlendert. (schlurft, hastet, stolpert, torkelt, flaniert…)

Sofort steigt im Kopf des Lesers ein Bild auf, das bereits mehr über Sigrun und ihre Situation erahnen lässt und Fragen aufwirft, die neugierig machen. Aus Sigrun geht wurde ein Mini-Satz mit Bildkraft.

Bildnah und wirkungsvoll: Gefühle

Ein Text, der emotional Leser berührt, wird sich ebenfalls vergleichsweise leicht im Gedächtnis festkrallen. Jeder erlebt täglich und immerzu Gefühle und wird beim Lesen rasch eine Verbindung zum Geschriebenen herstellen. Anstatt eines Bildes spürt der Leser bekannte Empfindungen, die im Lesergehirn mit positiven beziehungsweise negativen Erlebnissen und Bildern bewusst und unbewusst verankert sind. Das Geschriebene spricht ihn tief in seinem Inneren an und wirkt.

Erreicht ein Text seine Leser in deren Erfahrungswelt, holt er sie dort ab und führt sie zur gewollten Reaktion, dann war das Schaffen des Texters oder Autoren erfolgreich. Darum gilt: Wer schreibt und textet, sollte seinen von ihm erschaffenen Gedankenfilm prüfen (auch emotional) und die Wirkung mit Bilder erzeugenden Worten und mit Gefühlen lenken.



2 Antworten zu "Alles öde!"

  1. Ich gebe Ihnen Recht, bildhafte und emotionale Texte sind selbstverständlich wirkungsvoller. Wie schnell verfällt man aber beim Schreiben in Floskeln, die man tausendfach gehört und gelesen hat, nur weil sie passen? Leider zu oft. Darum werde ich künftig meine eigenen Texte erneut noch genauer hinterfragen und überarbeiten. Danke für diesen Anstoß, Frau Eisenschmidt!

    Viele Grüße aus dem Rheinland

    Birgit

    • Hallo Birgit,

      ich freue mich, dass ich Ihnen diesen Grundsatz wieder ins Gedächtnis rufen konnte. :)

      Ein schönes und vor allem erholsames Wochenende wünsche ich Ihnen!

      Liebe Grüße

      Bettina

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